Hinreißende Interpretationen

25. März 2010 von  
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Martin und Andreas präsentierten Klaviermusik bei / Langer und herzlicher Beifall

: Im Rahmen seiner Hauskonzerte hatte das Helmich zu einem sehr interessanten Duoabend eingeladen. Die beiden Pianisten und Andreas Müller-Oesterling präsentierten Klaviermusik für ein und zwei Klaviere.

Martin Schumann brachte zu Beginn die berühmten Kinderszenen op. 15 von und ehrte damit seinen großen Namensvetter. Mit großer Liebe zum Detail und fein austarierter Phrasierung musizierte der Pianist die zauberhaften Szenen mit sensibler Tongebung, ging ganz behutsam mit den lyrischen Szenen um und stellte die temperamentvollen farbig vor. Träumerisch pastellierte er “Von fremden Ländern und Menschen” und die “Träumerei”, ließ “Kuriose Geschichte” und “Haschemann” munter springen und purzeln, das “Bittende Kind” sensibel fragen. Froh, gravitätisch, lebendig, munter und nachdenklich, warm wiegend gestaltete er die weiteren Sätze und zeichnete zum Schluss “Der Dichter spricht” gewichtig und ernsthaft.

Eine in sich geschlossene wunderschöne Wiedergabe. Andreas Müller-Oesterling ist nicht nur ein exzellenter Pianist, er komponiert auch. Er brachte, zum Teil als Uraufführung, fünf Eigenkompositionen, wobei er sowohl im romantischen wie im modernen, vom Jazz beeinflussten Bereich, Ideen entwickelte. Sein “She was going down to the water” war ein zunächst ernstes, gemessenes, dann lebhaftes Erzählen mit kleinen Zäsuren, Tempovarianten, kleinen Fantasien, Überhalten, synkopischen, arpeggierten und sehr gefühlvollen , er ließ das Werk nach farbenreichem Musizieren leise verklingen. In “Imaginary journey to the Lower saxon Balkan” verwendete er zwei Volkslieder, zu Beginn “Das Lieben bringt groß Freud” und dann köstlich mitten im Stück “Auf der Lüneburger Heide”, man hörte die Eisenbahn rattern, das Werk ging geistreich verjazzt mit einem Schlag zu Ende, mit Esprit musiziert. “” fabulierte der Pianist verträumt, trieb das Geschehen voran über turbulente Läufe, lange Trillerfiguren, eine stark emotionale Musik. “Afoxé” und “Frevo” zeigten den Künstler als versierten Jazzinterpreten, da ließ er die Motive tanzen und endete mit einem furiosen Finale. Im zweiten Teil musizierten Martin Schumann und Andreas Müller-Oesterling an zwei Flügeln, und das mit bewundernswerter Übereinstimmung. Da wurden Läufe und Motive nahtlos abgenommen und weiter geführt, es war ein zupackendes wie auch ganz feinfühliges gemeinsames Gestalten.

Larghetto und Allegro Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart brachten sie zunächst als farbigen Dialog, mit dichten Unisonopassagen und führten das Werk mit ausgreiftem Klang im reizvollen Wechselspiel bis zum Schluss weiter. Dann wurde es kraftvoll und pointiert in dem teilweise wuchtigen “Danzón Cubano” von Aaron Copland. Es war ein spannungsgeladenes Musizieren mit toller Technik und im ansteckenden Rhythmus präsentiert bis zum ungewöhnlichen Schluss, der wie wuchtige Glockenschläge gestaltet war.

Hinreißend war die Interpretation der drei Tangos Libertango-Verano, Porteno und Tangata von Astor Piazzolla. Mit urwüchsiger Leidenschaft trieben die beiden Pianisten diese prachtvolle Musik voran. Den Libertango kraftvoll aufgewühlt, den zweiten zunächst etwas ruhiger, dann peitschte die Leidenschaft im gesteigerten Tempo durch die Musik bis zum abrupten Ende. Für den langen herzlichen Beifall bedankten sich die beiden Pianisten mit einem Walzer von Johannes Brahms.

Die Konzerte im Klavierhaus Helmich sind wegen der Nähe zu den Künstlern immer etwas Besonderes.

Quelle: Verden Aller Zeitung – 23. März 2010

Eine Klasse für sich

25. März 2010 von  
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Jazz trifft am CJD Elze

Elze: “” – diesem Motto waren Schüler, Eltern und Mitarbeiter der CDJ Christophersschule in den Hallen der Musikschule gefolgt, um drei besonderen Künstlern aus Walsrode ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Der und Musikpädagoge beeindruckte mit Eigenkompositionen, die in der mit den einfühlsamen Gedichten des Lyrikers und Arztes das Publikum überraschten. Keine bloße Rezitation fremder Verse, das Zusammenspiel beider Kunstformen versetzte die Zuschauer in Entzücken. So etwas wie Jazz und Lyrik will erlebt sein.

Ulrike begleitete ihren Mann. Abwechselnd präsentierten beide Interpreten sprachlich ausgefeilte, facettenreiche Texte aus seinen Lyrikbänden, die mit den herausfordernden und immer wieder überraschenden Klavierstücken von dialogisierten. Das Zwiegespräch mit Kreativität ließ die Zuhörer in sich gehen.

Die weiche melodische Stimme als weiblicher Gegenpart bereichert die eindrucksvollen Bilder, die beide Herren mit ihrer Musik und ihren Gedichten zu initiieren in der Lage sind. Die leidenschaftlich-virtuos gespielten Musikstücke brachten dem Künstler stürmischen Beifall.

Das Ehepaar Bartsch hat übrigens an der Elzer Christophorusschule die ersten nachhaltigen Impulse gewonnen. Aus der Beschäftigung mit den lyrischen Werken von Hermann Hesse, Joseph von Eichendorff oder auch Gottfried Benn erwuchs die Leidenschaft, selbst Gefühle, prägende Alltagssituationen oder andere ansprechende Erlebnisse in Form von Gedichten zu versprachlichen.

Seit eineinhalb Jahren fließt die Komponente Jazz ein. Denn wo Poesie nicht in erster Linie für Leser, sondern für Hörer gemacht wird, ist nach Meinung von Thomas Bartsch und Andreas die gemeinsame Wurzel zu spüren: in der Magie des Klangs, in der Rhythmisierung des Silbenfalls und der Melodisierung des Sprechduktus.

Vielleicht bietet gerade diese Herangehensweise einen neuen Zugang für den eher stiefmütterlich behandelten Zweig der Literatur beziehungsweise des Literaturbetriebs die Lyrik.

Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung – 21. Mai 2008