Lichter tanzen, glimmern und flammen durch die teils weichen, träumerisch-zarten und  tiefgründigen, teils dialogisch-spannungsreichen, dabei bisweilen auch schmunzelnd ausklingenden Klavierstücke. Die zentrale Thematik, die in zum Teil spielerisch anmutender Virtuosität und zugleich durchaus stringent vom Prolog bis zum Epilog durchgehalten wird, die sich in Stimmungs- und Tempovariationen der Musik wie auch in der Polarität zwischen Intro- und Extraversion der Titelmotive äußert, spiegelt sich im letzten Stück bzw. Lied The Stars wider. Die Sterne in der Nacht, der Verlorenheit, Kälte und traurigen Erinnerung, werden zum „Licht-Blick“, zum inneren Licht der Wärme, Hoffnung und Gewissheit eines positiven Neubeginns. Dabei misst Oesterling dem Leuchten der Sterne als Motiv der Sehnsucht und Orientierung in einer dunklen und schweren Stimmungslage keine geringere Bedeutung zu als der lebensspendenden Kraft des Tageslichts, der Sonne: And stars spread their light as the sun / Both of them shining / For you. So lebt der Gesamtausdruck dieser CD von der Gegensätzlichkeit, aber eben auch wechselseitigen sinnstiftenden Bedingtheit von Nacht und Tag, Dunkel und Helligkeit, Schwere und Leichtigkeit, Tiefsinn und Heiterkeit.

Kristina Dobat besingt die Sterne mit ihrer rauchigen, melancholisch schwingenden Stimme so einfühlsam, dass es sicherlich auch dem weniger lyrisch empfindenden Hörer schwerfallen dürfte, keine Gänsehaut zu bekommen.

 

Eine wunderbare CD!

Thomas Bartsch