Martin Schumann und Andreas Müller-Oesterling präsentierten Klaviermusik bei Helmich / Langer und herzlicher Beifall

Verden: Im Rahmen seiner Hauskonzerte hatte das Klavierhaus Helmich zu einem sehr interessanten Duoabend eingeladen. Die beiden Pianisten Martin Schumann und Andreas Müller-Oesterling präsentierten Klaviermusik für ein und zwei Klaviere.

Martin Schumann brachte zu Beginn die berühmten Kinderszenen op. 15 von Robert Schumann und ehrte damit seinen großen Namensvetter. Mit großer Liebe zum Detail und fein austarierter Phrasierung musizierte der Pianist die zauberhaften Szenen mit sensibler Tongebung, ging ganz behutsam mit den lyrischen Szenen um und stellte die temperamentvollen farbig vor. Träumerisch pastellierte er „Von fremden Ländern und Menschen“ und die „Träumerei“, ließ „Kuriose Geschichte“ und „Haschemann“ munter springen und purzeln, das „Bittende Kind“ sensibel fragen. Froh, gravitätisch, lebendig, munter und nachdenklich, warm wiegend gestaltete er die weiteren Sätze und zeichnete zum Schluss „Der Dichter spricht“ gewichtig und ernsthaft. 

Eine in sich geschlossene wunderschöne Wiedergabe. Andreas Müller-Oesterling ist nicht nur ein exzellenter Pianist, er komponiert auch. Er brachte, zum Teil als Uraufführung, fünf Eigenkompositionen, wobei er sowohl im romantischen wie im modernen, vom Jazz beeinflussten Bereich, Ideen entwickelte. Sein „She was going down to the water“ war ein zunächst ernstes, gemessenes, dann lebhaftes Erzählen mit kleinen Zäsuren, Tempovarianten, kleinen Fantasien, Überhalten, synkopischen, arpeggierten und sehr gefühlvollen Passagen, er ließ das Werk nach farbenreichem Musizieren leise verklingen. In „Imaginary journey to the Lower saxon Balkan“ verwendete er zwei Volkslieder, zu Beginn „Das Lieben bringt groß Freud“ und dann köstlich mitten im Stück „Auf der Lüneburger Heide“, man hörte die Eisenbahn rattern, das Werk ging geistreich verjazzt mit einem Schlag zu Ende, mit Esprit musiziert. „Uma noite“ fabulierte der Pianist verträumt, trieb das Geschehen voran über turbulente Läufe, lange Trillerfiguren, eine stark emotionale Musik. „Afoxé“ und „Frevo“ zeigten den Künstler als versierten Jazzinterpreten, da ließ er die Motive tanzen und endete mit einem furiosen Finale. Im zweiten Teil musizierten Martin Schumann und Andreas Müller-Oesterling an zwei Flügeln, und das mit bewundernswerter Übereinstimmung. Da wurden Läufe und Motive nahtlos abgenommen und weiter geführt, es war ein zupackendes wie auch ganz feinfühliges gemeinsames Gestalten.

Larghetto und Allegro Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart brachten sie zunächst als farbigen Dialog, mit dichten Unisonopassagen und führten das Werk mit ausgreiftem Klang im reizvollen Wechselspiel bis zum Schluss weiter. Dann wurde es kraftvoll und pointiert in dem teilweise wuchtigen „Danzón Cubano“ von Aaron Copland. Es war ein spannungsgeladenes Musizieren mit toller Technik und im ansteckenden Rhythmus präsentiert bis zum ungewöhnlichen Schluss, der wie wuchtige Glockenschläge gestaltet war.

Hinreißend war die Interpretation der drei Tangos Libertango-Verano, Porteno und Tangata von Astor Piazzolla. Mit urwüchsiger Leidenschaft trieben die beiden Pianisten diese prachtvolle Musik voran. Den Libertango kraftvoll aufgewühlt, den zweiten zunächst etwas ruhiger, dann peitschte die Leidenschaft im gesteigerten Tempo durch die Musik bis zum abrupten Ende. Für den langen herzlichen Beifall bedankten sich die beiden Pianisten mit einem Walzer von Johannes Brahms.

Die Konzerte im Klavierhaus Helmich sind wegen der Nähe zu den Künstlern immer etwas Besonderes.

Quelle: Verden Aller Zeitung – 23. März 2010